Tee
Aus Pflanzen wird Tee
Tee gehört zu den beliebtesten Getränken der Welt. Doch Tee ist nicht gleich Tee – und nur wer genau hinsieht, erkennt die Vielfalt, die in der unscheinbaren Teepflanze steckt. Von den ursprünglichen Blättern der Camellia sinensis bis zur kunstvollen Verarbeitung in den Teegärten Chinas, Indiens oder Japans: Die Reise des Tees ist so facettenreich wie seine Geschmackswelten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Geschichte, Anbau, Sorten und Zubereitung des echten Tees.

Was ist Tee eigentlich?
Rein rechtlich darf nur der Aufguss der Blätter der Pflanze Camellia sinensis als „Tee“ bezeichnet werden. Kräuter-, Früchte- oder Gewürzaufgüsse zählen zu den „teeähnlichen Erzeugnissen“, auch wenn sie im Alltag ebenfalls als Tee bezeichnet werden.
Die Teepflanze: Camelia sinensis
Die Teepflanze ist ein immergrüner Strauch, der ursprünglich aus Südchina stammt. Sie kann über 100 Jahre alt werden und enthält natürliche Wirkstoffe wie Koffein, Theobromin, Catechine und Theophyllin. Diese verleihen dem Tee seine belebende und zugleich ausgleichende Wirkung.

Teevarianten: China- und Assam-Typ
Zwei Hauptsorten der Teepflanze dominieren den Weltanbau:
- Camellia sinensis (China-Typ): Kleinwüchsig, widerstandsfähig gegen Kälte, vielfältig in Geschmack und Aromen.
- Camellia assamica (Assam-Typ): Großwüchsiger Tropenstrauch mit kräftigem Geschmack – ideal für Schwarztee.

Viele heutige Teepflanzen sind Hybride aus beiden Typen und kombinieren Ertragsstärke mit Aromavielfalt.
Anbau, Ernte und Verbreitung
Nach der Pflanzung dauert es etwa drei Jahre bis zur ersten Ernte. Je nach Region wird Tee saisonal oder ganzjährig gepflückt. Nach der Ernte erfolgt eine sorgfältige Qualitätskontrolle durch sogenannte Tea Taster, ergänzt durch chemische Analysen zur Einhaltung von Exportstandards.
Die Verarbeitung umfasst fünf klassische Schritte:
- Welken – Reduziert Feuchtigkeit.
- Rollen – Bricht Zellwände auf, Aromen entfalten sich.
- Fermentation/Oxidation – Sauerstoffreaktion, besonders bei Schwarztee.
- Trocknen – Dauerhafte Haltbarmachung.
- Sortieren – Nach Größe und Qualität des Blattes.
Wichtige Teeanbaugebiete weltweit
Tee wächst vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen:
- China: Ursprung des Tees, große Sortenvielfalt (z. B. Lung Ching, Gunpowder).
- Japan: Fast ausschließlich Grüntee, darunter Sencha und Matcha.
- Indien: Drei Hauptregionen – Assam (kräftig), Darjeeling (blumig), Nilgiri (ausgewogen).
- Sri Lanka: Produziert Ceylontee, meist fruchtig und kräftig.
- Taiwan: Spezialisiert auf hochwertige Oolong-Tees.
- Kenia: Bedeutender Schwarzteeproduzent, liefert kräftige Mischungen.

Teesorten im Überblick
Tee wird je nach Verarbeitung unterschiedlich klassifiziert:
- Grüntee: Nicht fermentiert, mild bis grasig. Beispiel: Sencha.
- Weißtee: Nur minimal verarbeitet, sehr fein und zart. Beispiel: Bai Hao Yin Zhen.
- Gelbtee: Leicht fermentiert, selten und aufwendig produziert.
- Oolong: Teilweise fermentiert, zwischen Grün- und Schwarztee.
- Schwarztee: Voll fermentiert, kräftig im Geschmack.
- Pu Erh: Fermentierter Tee aus China, kann über Jahre reifen.
- Aromatisierter Tee: Mit Blüten, Gewürzen oder Ölen verfeinert (z. B. Jasmintee).
- Rauchtee & Rösttee: Intensiv verarbeitet, z. B. Lapsang Souchong (Rauch) oder Hōjicha (Röstung).
Teeähnliche Getränke wie Mate oder Rooibos gelten als Alternative – meist koffeinfrei, aber ohne direkte botanische Verwandtschaft zum echten Tee.

Tee richtig zubereiten
Die Zubereitung entscheidet wesentlich über Geschmack und Wirkung. Wichtig sind:
- Menge: Etwa 1 TL pro Tasse
- Wassertemperatur: Grüntee (ca. 80 °C), Schwarztee (90–95 °C)
- Ziehzeit: Grüntee 1–3 Min., Schwarztee 2–4 Min.
- Wasserqualität: Weiches Wasser bevorzugt – hartes Wasser ggf. filtern
Besonders hochwertiger Tee sollte ohne Beutel und mit ausreichend Platz zum Ziehen aufgegossen werden.

Fazit
Tee ist weit mehr als ein Getränk – er ist Kultur, Geschichte und Handwerk zugleich. Wer sich mit Herkunft, Sorten und Zubereitung beschäftigt, entdeckt eine faszinierende Welt voller Nuancen und Traditionen. Ob belebender Schwarztee am Morgen oder beruhigender Grüntee am Abend: Für jede Stimmung und jeden Geschmack gibt es den passenden Tee.